Ein Wort (oder zwei) zu KI-Texten

Ich liebe Texte, die Ecken und Kanten haben, die mich zum Lachen bringen oder mir eine Gänsehaut verpassen. Kurz gesagt: Es geht um die menschliche Stimme in einem Manuskript, und es macht mir Freude, in diese Stimme einzutauchen und diese Stimme bei meinen Korrekturen zu bewahren. Deshalb bin ich beim Thema KI etwas empfindlich.

Warum ich keine KI-generierte Literatur lektoriere

Ich bin sicher, du gehörst du denen, die tatsächlich literarisch schreiben wollen und gar nicht auf die Idee kommen, diese Aufgabe an die KI abzuwälzen. Warum auch? Falls du dich allerdings ... aus irgendeinem bestimmt sehr guten Grund ... dazu hast hinreissen lassen, ist diese Seite für dich. Sonst klick bitte einfach weiter, dann gibt’s hier nämlich nix zu sehen für dich :-)

 

Leseproben sind aufschlussreich

Wenn du Claude oder Gemini oder ChatGPT nutzt, um ein Brainstorming zu machen oder dich inspirieren zu lassen – wunderbar, warum nicht. Wenn es jedoch ums Formulieren deines Buches geht, wird es für mich schwierig: Ich mag keine KI-generierten Texte lektorieren, auch nicht solche, in denen KI-Passagen nur eingestreut sind. Ich bitte immer um eine Leseprobe und sage ab, wenn ich sehe, dass KI zum Formulieren genutzt wurde.

 

Wenn die Freude verloren geht

Warum das? Weil es schlicht keine Freude macht. KI-Texte wiederholen unter anderem ständig dieselben Satzmuster. Das kennst du bestimmt aus vielen Newslettern und Social-Media-Beiträgen: «nicht nur ..., sondern ...», «nicht weil ..., sondern weil ...» , «mehr als nur ...» sind nur einige dieser wiederkehrenden Muster; und die umzuschreiben, ist wirklich kein Spass. Und es hat für mich auch wenig mit kreativem Schreiben oder mit Literatur zu tun.

 

Das «Warum» ausloten

Aber was, wenn du die Kniffe kennst, mit denen du es «echt» klingen lassen kannst? Hm, dann komme ich dir (vermutlich) nicht sofort auf die Schliche, aber spätestens dann, wenn es die ersten Brüche gibt: Gut formulierte, korrekte Passagen wechseln sich ab mit solchen, die normale, menschliche Fehler enthalten ... auch dann werde ich irgendwann Fragen stellen - vor allem eine Frage würde sich dann aufdrängen: «Warum eigentlich schreibst du?» 

 

Kurz gesagt: Ich möchte sehr gerne etwas zu deinem Werk beitragen. Und ich möchte meine Zeit und mein Herzblut in echte, lebendige Geschichten stecken. Und darauf freue ich mich!

Bei Verlagen wandern KI-Texte auf dem Absagestapel

Was du zu dem Thema auch noch wissen musst: Seriöse Verlage sortieren Texte mit erkennbaren KI-Passagen rigoros aus. Die Lektor*innen dort erkennen die gerade gängigen KI-Muster sofort. Verträge enthalten mittlerweile strikte KI-Ausschluss- bzw. Kennzeichnungsklauseln; denn es besteht das Risiko von Qualitätsverlust und rechtlichen Grauzonen beim Urheberrecht. Letzteres gilt natürlich auch für Werke, die im Selbstverlag erscheinen.

 

Also reich lieber ein unperfektes Manuskript ein als ein KI-generiertes. Was zählt, ist die Geschichte, das Kopfkino, das sie erzeugt, nicht die auf Hochglanz polierten Sätze. Schliesslich ist der Lektor oder die Lektorin im Verlag exakt dafür da, aus vielversprechenden Geschichten sorgfältig redigierte Bücher zu machen und ihnen zum Erfolg zu verhelfen.


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PS: Text & Lektorat  |  Mag. phil. Silvia Pederiva

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